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Mittwoch, 22. Juni 2022

Aushalten?



Anstrengend war die Woche. Mein Körper hat mir eine klare Auszeit verpasst. Nur wird es leider nicht leichter, wenn die Arbeitswelt weg fällt.  Dort bin ich im Land zwischen Abschied und Neubeginn.  Jedes Mal emotional.  Zuhause? Irgendwo im undefinierbaren Land mit wenig Kraft spendendem, dafür vielen Ansprüchen an mich... und viel dünner Haut.

Dienstag, 14. September 2021

Nachtfahrten

Nachts um Eins sind die Straßen schön leer. Deeskaliert habe ich und auch noch direkt einen Parkplatz bekommen. Läuft ... jedenfalls manchmal auch vorwärts. Teilweise aber eher rückwärts und bergab... oder so. Gute Nacht.

Montag, 13. September 2021

Kompliziert

Wie kompliziert alles für Menschen ist, die nicht zu unserem direkten Umfeld gehören, begreife ich wieder mal, als ich mit der Seelsorgerin spreche. Warum Darmstadt? Warum überhaupt Klinik? Warum Psychatrie? Und ich merke Überforderung, wenn ich zu offen bin. Verständlich. Daher fange ich an zu sortieren. Wer bekommt welche Informationen, wem antworte ich wie auf die Frage wie es mir geht. Antworte ich überhaupt?
Auch schaue ich, wofür ich Kraft habe.... sage ab, was nicht geht. Isthaltso, auch wenn es erstmal unverständlich scheint.

Mittwoch, 8. September 2021

Neue Dimension

 Die Tage fliessen vorbei. Geplant ist, die Paralympioniken am Flughafen zu begrüßen. Auf dem Wege die letzten Dinge einzukaufen werde ich abgefangen. Eine fremde Nummer, ein befremdlicher Anruf. Die Mutter des Freundes der Tochter. Darauf hin kehre ich um und rufe den RTW. Betrete wieder die Parallelwelt. In der Klinik ein "die war doch erst da" der Mitarbeiter. Stimmt, erst vergangene Woche entlassen.  Damals mit einer Stoffwechselentgleisung, heute mit einem neuen Suizid. Ein Wort, dass mir inzwischen viel zu leicht über die Lippen kommt. Aber, die Klinik vor Ort hat keinen Platz, daher geht es weiter.

Es hämmert in meinem Kopf. Hört das nie auf? Findet sie immer neue Wege? Wo endet es? Endet es irgendwann damit, dass sie sich nicht finden lässt und es dann endlich "geschafft hat"? Gibt es Schutz? Für sie? Für uns? Wir wissen, dass wir uns auf einem Drahtseil befinden, aber der Absturz tut immer wieder neu weh ....

Gekündigt

 Erst der Anruf vom Jugendamt, dann das Gespräch in der Wohngruppe. Der Platz ist gekündigt ... eine wohnortnahe Lösung soll angestrebt werden. 

Liebevolle Verabschiedung, ein paar Tränen fliessen, während ich versuche all den Kram ins Auto zu packen...

Das Jugendamt hat einen Vorschlag, den wir dankbar aufnehmen. Ein neues Vorstellungsgespräch. Der Jugendamtsmitarbeiter an seinem vorletzten Arbeitstag, die Erziehungsleitung hat noch drei Wochen, bevor sie die Stelle wechselt. Skurril. Es klingt ok - Skepsis nach den gemachten Erfahrungen ist völlig normal. Halbherzig sagt die Tochter zu, die neue Wohngruppe sagt ab. Der Betreuungschlüssel passt nicht.

Mit Wohngruppe ist doof, ohne Wohngruppe geht es irgendwie auch nicht. Wohin geht der Weg?

Mittwoch, 30. Juni 2021

Neue Wege

 "... wir haben die Polizei informiert." Die Nachricht der Wohngruppe brennt wie Feuer. Was für die eher Alltag ist, ist für uns ungewohnt und schwer auszuhalten. Kind nicht in der Wohngruppe, Handy ausgeschaltet. Bange Stunden später ist das Handy wieder an, Kind in der Klinik. Wir vereinbaren einen Besuch am nächsten Tag. 

Auf dem Weg dorthin klingelt der Chefarzt durch. Er müsse mit uns reden, aber wenn wir eh kommen, dann reicht das auch vor Ort. So werden wir entsprechend abgefangen. Eine Stunde später sitzen wir bei unserer Tochter am Bett, mit mehr Fragezeichen, aber auch mit neuer Hoffnung. Endlich mal jemand, der nach organischen Ursachen fragt und die Suche danach anstößt. Das ist aber nicht in seiner Klinik machbar, sondern knapp 50km weiter in der Klinik, die er gut kennt. Das obligatorische Kartenspiel und ein Versprechen später folgen und wir fahren guter Dinge heim. Gehört werden, Hoffnung bekommen - wie schön ist das.

Mitten in der Nacht klingelt das Telefon wieder. Die Klinik ruft um Hilfe, das Kind verweigert die notwendige Insulintherapie. Die Straßen sind schön frei, aber auch ich habe keine Chance und habe ein déjà vu. Die vorzeitige Verlegung und der Krankentransport in die neue Klinik werden organisiert. Ein Tag früher als geplant und unter anderen Voraussetzungen. 

Nachmittag in der neuen Klinik. Ich erzähle die Krankengeschichte ein erstes Mal, fülle die Papiere aus, verabschiede mich. Die Psychologin bittet mich, doch noch 2-3 Stunden in der Nähe zu bleiben, falls noch Fragen sind. Zeit für Soulfood...




Eine Stunde später ruft sie wieder an, Insulin wird nach wie vor verweigert, ich werde gebraucht. Lerne Oberärzte kennen, Namen schwirren durch den Kopf. Lerne eine neue Richterin kennen, veranlasse, was niemand für Menschen die er liebt veranlassen möchte. Werde als Sitzwache eingespannt. Was macht man nicht alles als Mutter. Weitere Ärzte, weitere Namen, weiteres Papier. Wieder die Krankengeschichte erzählen.... 

Zwei Nächte schlafe ich in der Klinik, bis sich die Lage soweit stabilisiert, dass eine Verlegung in die Kinder- und Jugendpsychatrie wieder möglich ist. Ein weiteres Aufnahmegespräch, der Horror pur. Verweigerungshaltung bei der Tochter, klare Statement "wir sind nicht die zuständige KJP, wenn das hier nicht klappt, wird sie verlegt" von der anderen Seite, der Wunsch nach der körperlichen Abklärung die in dem Haus relativ unkompliziert machbar ist bei mir. Tränen fliessen, nicht nur im Gespräch, sondern auch, als ich gehe, ohne mich verabschieden zu können, gehe. Sie möchte keinen Abschiedsgruss. "Fahren sie jetzt noch heim?" fragt mich der Betreuer. Mein "ja, aber nicht gleich", beruhigt ihn ein wenig. 



Freitag, 18. Juni 2021

Der nächste Einschlag

 Ein wenig sieht es in mir vermutlich wie auf dem Mond aus. Immer wieder Einschläge die ich mal besser, mal schlechter, mal erst nach einigen Jahren weg stecke.

Jetzt wieder so einer. "Ihre Tochter sollte seit 22 Uhr zu Hause sein, wir haben die Polizei informiert, das müssen wir." Ok, nicht das erste Mal, dass es so eine Nachricht gibt und das Kind mit ausgeschaltetem Handy unterwegs ist. Aber das erste Mal in der Wohngruppe. Die SMS-Funktion aktiviert. Nach 1,5 Stunden das erste kurze "Handy ist erreichbar". Aber so schnell es an war, war es auch wieder aus. Nur, das definitive Signal, dass es ihr soweit gut geht. Chatkontakt zur Wohngruppe. Warten auf den Zug, der mit wenig Umsteigen zu uns fährt. 

Dann der Entschluss doch zu schlafen. Unruhig. Bis heute morgen wieder eine SMS kommt, diesmal ist das Handy an. "Wo bist du?" "Im Krankenhaus"... Sie lebt, sie kann telefonieren, so schlimm wird es nicht sein. Mehr will sie auch am Telefon nicht sagen - meinetwegen. Morgen halt beim Besuch.

Jetzt warte ich auf den Rückruf vom Arzt, der mir dann hoffentlich etwas weiter hilft ...