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Mittwoch, 22. Juni 2022

Narbentage

Karindrawings  habe ich in der letzten Supervision kennen gelernt. Dort war schon die gezogene Karte mehr als passend und fasste den Tag gut zusammen. Der heutige Text (hinter dem Link) bringt es auch wieder auf den Punkt. Krasser Shit, den mir das Leben zumutet. Jo. Zwei Sätze greife ich für heute raus:

"Das Leben fügt dir NARBEN zu."
Ja, heute ist so ein Narbentag. Scheitern aushalten. Akzeptieren, dass die eigenen Vorstellungen für den Lebensweg der Tochter nicht passen. Flexibel sein, weil Termine ausfallen. Nachtrauern, dass man nicht die erhoffte Auszeit vom Arbeitsalltag bekommt. Den Arbeitsalltag mit verschiedenen Vorstellungen und Überzeugungen aushalten. Trost spenden, etwas verbalisieren für die das Gegenüber keine Worte hat. Angst haben. Erklären, dass man verletzt ist. Ich glaube, das ist mit am schwersten gefallen heute. Tränen laufen lassen. Heute mittag, heute abend. Hundefell nass weinen dürfen. Schwere Sätze aushalten, sacken lassen. Zeit zum traurig und verletzt sein nehmen. 

"Leben heilt."
Ja, irgendwann werden die großen und kleinen Schrammen des heutigen Tages wieder irgendwann heilen. Für die unverhofften Segenspuster bin ich dankbar. 

Aushalten?



Anstrengend war die Woche. Mein Körper hat mir eine klare Auszeit verpasst. Nur wird es leider nicht leichter, wenn die Arbeitswelt weg fällt.  Dort bin ich im Land zwischen Abschied und Neubeginn.  Jedes Mal emotional.  Zuhause? Irgendwo im undefinierbaren Land mit wenig Kraft spendendem, dafür vielen Ansprüchen an mich... und viel dünner Haut.

Dienstag, 14. September 2021

Nachtfahrten

Nachts um Eins sind die Straßen schön leer. Deeskaliert habe ich und auch noch direkt einen Parkplatz bekommen. Läuft ... jedenfalls manchmal auch vorwärts. Teilweise aber eher rückwärts und bergab... oder so. Gute Nacht.

Montag, 13. September 2021

Kompliziert

Wie kompliziert alles für Menschen ist, die nicht zu unserem direkten Umfeld gehören, begreife ich wieder mal, als ich mit der Seelsorgerin spreche. Warum Darmstadt? Warum überhaupt Klinik? Warum Psychatrie? Und ich merke Überforderung, wenn ich zu offen bin. Verständlich. Daher fange ich an zu sortieren. Wer bekommt welche Informationen, wem antworte ich wie auf die Frage wie es mir geht. Antworte ich überhaupt?
Auch schaue ich, wofür ich Kraft habe.... sage ab, was nicht geht. Isthaltso, auch wenn es erstmal unverständlich scheint.

Mittwoch, 30. Juni 2021

Neue Wege

 "... wir haben die Polizei informiert." Die Nachricht der Wohngruppe brennt wie Feuer. Was für die eher Alltag ist, ist für uns ungewohnt und schwer auszuhalten. Kind nicht in der Wohngruppe, Handy ausgeschaltet. Bange Stunden später ist das Handy wieder an, Kind in der Klinik. Wir vereinbaren einen Besuch am nächsten Tag. 

Auf dem Weg dorthin klingelt der Chefarzt durch. Er müsse mit uns reden, aber wenn wir eh kommen, dann reicht das auch vor Ort. So werden wir entsprechend abgefangen. Eine Stunde später sitzen wir bei unserer Tochter am Bett, mit mehr Fragezeichen, aber auch mit neuer Hoffnung. Endlich mal jemand, der nach organischen Ursachen fragt und die Suche danach anstößt. Das ist aber nicht in seiner Klinik machbar, sondern knapp 50km weiter in der Klinik, die er gut kennt. Das obligatorische Kartenspiel und ein Versprechen später folgen und wir fahren guter Dinge heim. Gehört werden, Hoffnung bekommen - wie schön ist das.

Mitten in der Nacht klingelt das Telefon wieder. Die Klinik ruft um Hilfe, das Kind verweigert die notwendige Insulintherapie. Die Straßen sind schön frei, aber auch ich habe keine Chance und habe ein déjà vu. Die vorzeitige Verlegung und der Krankentransport in die neue Klinik werden organisiert. Ein Tag früher als geplant und unter anderen Voraussetzungen. 

Nachmittag in der neuen Klinik. Ich erzähle die Krankengeschichte ein erstes Mal, fülle die Papiere aus, verabschiede mich. Die Psychologin bittet mich, doch noch 2-3 Stunden in der Nähe zu bleiben, falls noch Fragen sind. Zeit für Soulfood...




Eine Stunde später ruft sie wieder an, Insulin wird nach wie vor verweigert, ich werde gebraucht. Lerne Oberärzte kennen, Namen schwirren durch den Kopf. Lerne eine neue Richterin kennen, veranlasse, was niemand für Menschen die er liebt veranlassen möchte. Werde als Sitzwache eingespannt. Was macht man nicht alles als Mutter. Weitere Ärzte, weitere Namen, weiteres Papier. Wieder die Krankengeschichte erzählen.... 

Zwei Nächte schlafe ich in der Klinik, bis sich die Lage soweit stabilisiert, dass eine Verlegung in die Kinder- und Jugendpsychatrie wieder möglich ist. Ein weiteres Aufnahmegespräch, der Horror pur. Verweigerungshaltung bei der Tochter, klare Statement "wir sind nicht die zuständige KJP, wenn das hier nicht klappt, wird sie verlegt" von der anderen Seite, der Wunsch nach der körperlichen Abklärung die in dem Haus relativ unkompliziert machbar ist bei mir. Tränen fliessen, nicht nur im Gespräch, sondern auch, als ich gehe, ohne mich verabschieden zu können, gehe. Sie möchte keinen Abschiedsgruss. "Fahren sie jetzt noch heim?" fragt mich der Betreuer. Mein "ja, aber nicht gleich", beruhigt ihn ein wenig.